Symposium 2017

Abstract Vortrag

Dr. Anna-Katharina Dembler, Berlin

Im Gegensatz zur Begrifflichkeit der „Macht“ findet sich zu „Ohnmacht“ eher Beiläufiges in der Literatur( Soziologisch, psychologisch) Anders in philosophisch, theologischen, psychoanalytischen Denktraditionen. Die Perspektive auf Ohnmacht ist im gewöhnlichen Alltagsverständnis die vom Standpunkt der Macht aus. „ Macht und Ohnmacht“ werden als dichotomes Gegensatzpaar gedacht, das sich im Sinne eines „entweder-oder“ verbindet. „ Oben und Unten“ dienen bildhaft der Darstellung dieser Beziehungsform. Natürlich identifizieren sich Menschen gewöhnlich eher mit dem „oben“.

Aspekte und Formen von Ohnmacht sollen zunächst in der Arbeit untersucht werden Wo tauchen sie im Zusammenhang von Psychotherapien auf? Welche Ausdrucksformen finden Ohnmacht - und Machtaspekte im psychotherapeutischen Gespräch, sei es in einer Zweipersonenformation, sei es in einem Mehrpersonensetting? Welche Bedeutung kommt den Mentalisierungsmöglichkeiten im psychotherapeutischen Prozess in Bezug auf das Verstehen von Macht/Ohnmacht zu? Sprache ist Ausdruck des Denkens, formt das Erleben als wesentliche Einflussgröße und wird wiederum vom Erleben mitgeformt.

Diesen Phänomenen soll an Hand von Fallbeispielen nachgegangen werden. Es wird sich zeigen, dass das dichotome Begriffspaar auf verschieden Ebenen geistig-seelischen Erlebens intuitiv bei allen Beteiligten Anwendung findet und, der Beschreibung eben solchen Erlebens dient , explizit oder implizit .Im Vollzug des Durcharbeitungsprozesses kann ein dialektisches Spannungsverhältnis zwischen den Begriffen entstehen, das die schlichte Gegensätzlichkeit zurücklässt und eine erhebliche Erweiterung für das Verstehen seelischer Prozesse bedeutet.

Biographische Notiz zur Autorin

Geb 1949 in Zürich. Nach Abitur und Studium der Humanmedizin in Köln und Berlin, klinische Tätigkeit als Assistenzärztin. Promotion während mehrjähriger Familienzeit. Ausbildung zur Psychoanalytikerin am Alfred-Adler-Institut Nord. Nach der Gründung des Berliner AAI Mitglied des Instituts. Tätigkeit in eigener Praxis, parallel Ausbildung zur analytisch-systemischen Paar-und Familientherapeutin. Erweiterung des Tätigkeitsfeldes auf diesen Bereich. Dozententätigkeit am AAI. Seit 2004 Lehranalytikerin am AAI Berlin. Seit 2006 aktives Mitglied der Forschungsgruppe SCPRGF, die sich in Frankfurt aus einem Kreis individualpsychologischer Analytiker herausentwickelte. Zur Zeit arbeitet die Gruppe an den Publikationen einer aufwendigen Lanzeiteinzelpsychotherapiestudie, die Wirkfaktoren in der psychotherapeutischen Beziehung zum Gegenstand hat.