Symposium 2017

Abstract Vortrag

Prof. Dr. Franco Maiullari, Mailand

Die Omnipotenz von Antigone und die Machtlosigkeit von Ismene. Über das Gefühl, zurückgewiesen zu werden: Vom Mythus zur Behandlungspraxis - Zusammenfassung: Sophokles‘ Tragödie Antigone kann unterschiedlich interpretiert werden. Einige Themen wie Minderwertigkeit und Kompensation sowie Omnipotenz und Machtlosigkeit bleiben jedoch grundlegend. Beim 23. Internationalen Kongress der Individualpsychologie (26.-29. September 2005 in Turin) hielt ich einen Vortrag mit dem Titel: „Antigone lebt“. Im meinem damaligen Vortrag folgte ich der häufigsten Interpretationslinie des Mythos, d.h. der Machtlosigkeit von Antigone und ihrer Rebellion gegen die Staatsmacht in Kreon. In meinem heutigen Vortrag folge ich einem anderen Strang der Interpretation, nämlich dem Konflikt zwischen der Omnipotenz von Antigone und der Machtlosigkeit ihrer Schwester, Ismene. Insbesondere das Gefühl der Zurückweisung wird dabei unter die Lupe genommen. Dieses Gefühl kennen wir sowohl von vielen psychotherapeutischen wie auch von sozialen Situationen. Aus der Perspektive der Individualpsychologie ist das Drama „Antigone“ von Sophokles hochsignifikant, besonders aufgrund der verschiedenen Aspekte der Dynamik zwischen Macht und Machtlosigkeit.

Schlüsselwörter: Antigone, Ismene, Streben nach Macht (Wille zur Macht), Zurückweisung, Psychotherapie